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Collection Art, Architecture, Design Teaching

Seminar: Werkstatt Offene Form

Lehrveranstaltung von Ricarda Denzer und Johannes Porsch

Eine Kooperation von Kunstsammlung und Archiv mit dem Institut für Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik und Kunstvermittlung, Kunst und Kommunikative Praxis

Die Künstler:innen und Lehrenden Ricarda Denzer und Johannes Porsch haben auf Einladung von Kunstsammlung und Archiv im Wintersemester 2023/24 eine Reihe von Lehrveranstaltungen zur Ausstellung entwickelt. Diese widmen sich Fragen zur Form eines möglichen Begleitprogramms, der in einem offenen Dialog mit der Ausstellung entwickelt wird, in dessen Zentrum Fragen nach Formbildung und Wahrnehmung stehen.

Werkstatt Offene Form

Der Einladung von Kunstsammlung und Archiv der Universität für angewandte Kunst Wien durch Cosima Rainer, Stefanie Kitzberger und Robert Müller folgend, widmet sich dieses Seminar der Entwicklung eines Begleit-/Vermittlungsprogramms zur Ausstellung Lill Tschudi – Franz Čižek. A delightful sort of game in der Universitätsgalerie Heiligenkreuzerhof (10.10.23 - 16.12.23)

Welche Form könnte so ein Begleitprogramm annehmen? Welche Form ist Programm? Welche Begleiten/Vermitteln?

Im hin und her (zwischen Ausstellungs- und Seminarraum),  fragen wir nach dem Ineinander von Rezeption und Produktion und wohl auch nach einem Äußerungsmodus des Sekundären, des Reproduktiven.

Was tun wir wenn wir vermitteln? Wie ist Vermittlung in Kunst? Also: Vermittlung in Arbeit.  

Beispiel einer möglichen Bewegung (Skizze, offen):

Franz Čižek, der an der Wiener Kunstgewerbeschule von 1908 bis 1934 unterrichtete, ist neben seinem „Sonderkurs für ornamentale Formenlehre“ vor allem für seine von jeglichen Lehrvorschriften freien Methoden an der von ihm eingerichteten Jugendkunstklasse bekannt geworden. Lill Tschudi erlangte vor allem durch ihre Linolschnitte in den 1930er Jahren Popularität.

Wir versuchen den formalen Bezug Čižek – Tschudi offen zu halten, indem wir beobachten. Formen bilden sich so in Versuchsreihen, in Untersuchungen, die Form in der sinnlichen Wechselbeziehung von Zergliedern/Auswählen und Aufbauen/Zusammensetzen finden. Formbildung, die auch das Erfassen unbestimmter Gefühle bedeutet, ist demnach immer affektiv bestimmte Umgestaltung des Gegeben. Das heißt, die Prozesse der Wahrnehmung selbst stehen der Gestaltung und Formung des Wahrgenommenen offen. Wahrnehmen wird so prozessualer Gegenstand, Positionswechsel, Wechselbezug: zu Beobachtung, zu offener Form.

In diesem Sinn würden wir Formbildung (ausgehend von  Čižek / Tschudi) als Verschneidung oder auch Schnittfläche von inneren und äußeren Bewegungen konzeptuell fassen. Daraus folgt auch, dass wir diese Formbildung der Wahrnehmung durch und im (technisch-apparativen) Umgang mit Material für andere wahrnehmbar machen: Also über Wahrnehmbarkeit mit anderen kommunizieren. Mit der Frage was wir wie wahrnehmen ist somit Wahrnehmen ebenso eine offene Frage, wie wer (oder was alles) wie  überhaupt „wir“ wird (oder auch „nicht-wir“ wird), wie, in und durch welche Prozesse, sich dieses „wir“/„nicht-wir“ überhaupt figuriert.  Sich ver- oder ansammelnde, oder sich verstreuende Gefüge von Äußerungsmöglichkeiten: Heterogen, diskontinuierlich, inkohärent, sekundär?

Gruppe – Werkstatt Offene Form

Die Werkstatt Offene Form ermöglicht der Gruppe sich im Raum, im Prozess zu organisieren. Ein Werk herstellen oder wiederherstellen, konkrete Aufgabenstellung, direkte Hilfestellungen und Sorge tragen, Erfahrungslernen, ästhetisches Handeln, Kollaboration oder Formfindung sind dabei ebenso Figuren dieser Gruppe wie Zeitlichkeiten, Widerstands- und Rezeptionsphasen.

Wie kommt es zu Form, zu Figur?

Ausgehend von etwa der konkreten Technik des (figurativ-abstrakten) Scheren-, Papier- oder auch Faltschnitts [1], sowie des Linolschnittes (fill in the blank) und in der kollektiven Lektüre ausgewählter Texte, könnte konzeptuell  ein post-medialer Vektor an folgendenen Momenten entwickelt werden: an der Figur des „Schnitts“, etwa als Umriss, als Unterscheidung, als Fließen /Trennen, als Maschine, als Partialobjekt, als Fragmentierung, als Segmentierung, als Unterbrechung, als Wiederholung, als selectcopypaste , recordplaypausestop, Zitat oder Montage, Verschiebung und Verdichtung, Rhythmus und fragen, wie sich daraus mikropolitische Formen Gruppe zu organisieren (zu welchem Zweck?) ableiten lassen.

Und was hat das überhaupt mit ästhetischer Erfahrung zu tun?

[1] Čižek hat dazu 1914  das Buch Papier-Schneide- und Klebearbeiten : ihre technischen Grundlagen sowie ihre erzieherische Bedeutung im Unterrichte veröffentlicht.